In vielen europäischen Ländern haben Kinos ihre Beliebtheit bewahrt, obwohl fast jede Familie über einen eigenen Fernseher oder Heimkino verfügt. Ein Kinobesuch bietet nämlich eine besondere Atmosphäre, dazu Snacks und Unterhaltung im Foyer. Fast jede Stadt hat ihr eigenes Wahrzeichen unter den Kinos, das in wichtigen Ereignissen der Vergangenheit eine bedeutende Rolle gespielt hat. Eines davon ist das „International“ in Berlin, das auch heute noch als das wichtigste Kino der DDR bezeichnet wird. Nach dem Fall der Berliner Mauer übernahm die Yorck Kinogruppe die Betreuung des Kinos und tat alles, um die besondere Atmosphäre zu bewahren. Mehr auf berlintrend.eu.
Besonderheiten der Architektur

Dieses Kino gehört zu den Stationen der Berliner Touren zu sowjetischen Bauwerken im Ostteil der Stadt. Besonders in der Sowjetzeit fiel das handgemalte Filmplakat auf, das aus fünf Tafeln bestand. Ihre Besonderheit lag darin, dass nach den Vorführungen die Tafeln weiß übermalt und anschließend neu bemalt wurden. So entstand ein „Film-Palimpsest“, bei dem sich vergangene Filme überlagerten. Einmal im Jahr wurden die Tafeln abgenommen und gründlich gereinigt. Das Kino hat drei Etagen und wurde aus Stahlbeton errichtet, mit Fassaden aus hellem Sandstein.
Die Außenwände bestehen fast vollständig aus großen Panoramafenstern, was für die Architektur der Mitte des letzten Jahrhunderts untypisch ist. Das quadratische Muster der weißen Fassadenplatten wiederholt sich im Foyer, wodurch ein Eindruck eines einheitlichen Raums entsteht. Der Übergang in die zweite Etage wurde so gestaltet, dass er eine Art Grenze zwischen Realität und Illusion bildet. Die Wandleuchten erinnern an Sterne und verstärken die Weltraumatmosphäre. Ein Highlight der Sowjetzeit war die „Panorama-Bar“: luxuriöser schwarzer Parkettboden, elegante Holzvertäfelungen, Discokugeln und Kristalllüster. All dies blieb auch in den 2020er-Jahren erhalten.
Die Entstehungsgeschichte des „International“

Das Kino wurde 1958 vom Architekten Josef Kaiser entworfen, die Bauleitung übernahm Heinz Aust. Die damalige Regierung forderte ein perfektes Beispiel sozialistischer Architektur und Ingenieurskunst, das die kapitalistische Architektur übertreffen sollte. Das Gebäude im damals populären Stil des Modernismus bildete zusammen mit einem Hotel und dem Café „Moskau“ ein architektonisches Ensemble. Sowjetische Führer wollten den Berlinern ein Modell einer strahlenden Zukunft zeigen. Dies wurde durch Reliefs betont, die Szenen des idealen Lebens in der DDR darstellten.
Das Kino wurde im November 1963 feierlich eröffnet, die Premiere war der sowjetische Film „Optimistische Tragödie“. In den folgenden Jahrzehnten wurde das „International“ jedoch das einzige Kino des Landes, das gelegentlich auch westliche Filme zeigte. Deshalb war es nicht leicht, Tickets zu bekommen, besonders bei europäischen Filmen. Im 21. Jahrhundert finden hier nicht nur Filmvorführungen, sondern auch Partys und Bankette statt. Die Betreiber entschieden sich jedoch, das reiche Design und die Dekoration der 1960er-Jahre zu bewahren, die zu einem Markenzeichen des Kinos geworden sind.
Die einzigartige Akustik des Saals

Die Projektentwickler achteten auch auf die Klangqualität. Die originelle wellenförmige Decke fällt im Saal sofort ins Auge. Sie war nicht nur ein Designelement, sondern spielte eine wichtige Rolle für die Akustik. Die Technologie ähnelt der, die in Tonstudios verwendet wird. Die Wände sind mit schalldämpfenden Paneelen verkleidet, und die Wandverkleidungen bestehen aus speziellen verschobenen Platten, die die gewünschte Akustik gewährleisten.
Die wellenförmige Decke reflektierte den Klang in den Saal, sodass die Person auf der Bühne auch ohne Mikrofon bis in die letzten Reihen hörbar war. Das Kino hat 600 Plätze, und in der Sowjetzeit war es üblich, dass Regierungsvertreter vor Premieren eine Rede hielten. Während der Restaurierung in den 1990er-Jahren wurden alle diese Merkmale bewahrt. Übrigens war das „International“ eines der ersten Kinos, das in den 1980er-Jahren mit Dolby-Stereo-Technologie ausgestattet wurde. Heute werden modernere Systeme verwendet, aber damals war dies eine Sensation.
Verborgene Geheimnisse des Kinos

Während der Restaurierung entdeckten die neuen Betreiber einige Räume, die nicht für Kinozwecke gedacht waren, wie eine Bibliothek hinter der Garderobe. In der DDR fanden dort verschiedene Veranstaltungen statt: Pionieraufnahmen, Friseurwettbewerbe, Buchpräsentationen. Es gab auch ein Zimmer für den ehemaligen DDR-Staatschef Erich Honecker. Es lag in der Nähe eines kleinen Bunkers im Keller, der für den Kriegsfall vorgesehen war. Dort konnten Parteifunktionäre nach Premieren mit Filmschaffenden sprechen und mit einem Glas Champagner feiern.
Einige Zeit nutzte die Yorck Kinogruppe diese Räume für Veranstaltungen, stellte jedoch fest, dass sie für Unterhaltung ungeeignet waren.
Geschichten rund um das „International“

Das Kino wurde von Berlinern oft als Übergang zwischen Ost und West, Realität und sozialistischer Utopie bezeichnet. Die bedeutendste Geschichte ist mit dem 9. November 1989, dem Fall der Berliner Mauer, verbunden. Während sich Menschen an den Grenzübergängen versammelten, sahen die Berliner im „International“ die Premiere des ersten DDR-Films mit LGBTQ-Thematik, „Coming Out“. Als die Zuschauer nach der Vorstellung hinausgingen, fanden sie sich in einem anderen Land wieder.
Ein weiteres wichtiges Ereignis ist das „Berlinale“-Festival, das das Kino seit 1990 als Veranstaltungsort nutzt. Zuvor fand das Festival nur im Westteil Berlins statt. Heute gehört die Berlinale zu den weltweit renommiertesten Filmfestivals. Jährlich werden 300 bis 400 Filme gezeigt, und über 300.000 Tickets verkauft. Über 20.000 Fachleute aus 120 Ländern kommen nach Berlin.
Ein Geschenk des Schicksals

Nach der Wiedervereinigung stellte sich die Frage, ob das Kino erhalten bleiben sollte. Die Eigentümer des angrenzenden Hotels wollten das Gebäude in ihren Komplex integrieren. Doch das „International“ hatte Glück: 1992 kaufte die Yorck Kinogruppe das Gebäude und bewahrte den Charme der Sowjetzeit. Im Jahr 1990 erhielt das Gebäude den Status eines Kulturerbes.





