„Gloria Palast“ – eine Bühne der Internationalen Filmfestspiele Berlin

Der „Gloria Palast“ war ein bedeutendes Kino am Kurfürstendamm im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Es bestand von 1925 bis 1998. Später, als das Kinogeschäft in Berlin nachließ, änderte sich die Nutzung des Gebäudes. Im Jahr 2017 wurde es schließlich abgerissen. Mehr über die Geschichte des „Gloria Palast“ erfahren Sie auf berlintrend.eu.

Ein Gebäude im romanischen Stil

Das Gebäude wurde 1896 von Franz Schwechten mit einer Pracht errichtet, die man sich heute kaum vorstellen kann. In den ersten drei Stockwerken befanden sich Restaurantsäle, das „Café Trumpf“ im Innenhof des Gebäudes und der luxuriöse „Gloria Palast“-Kinosaal. Die romanische Fassade war ein Denkmal der Architektur und sollte erhalten bleiben, wurde jedoch vollständig umgebaut, um Platz für den Kinopalast zu schaffen. Es entstanden sieben Treppenaufgänge, drei Aufzüge, ein verspiegelter Wintergarten, Räume für Gespräche und Schreibarbeiten, Gänge mit Garderoben und Buffets, Kristalllüster, Marmortreppen und seidenbezogene Wände. Der Kinosaal bot Platz für etwa 1200 Zuschauer, hatte eine fast quadratische Leinwand, eine zehn Meter lange freitragende Empore und eine flache Kuppeldecke. Das Kino eröffnete 1926 mit einer Pantomime von Frank Wedekind und einer Adaption von Molières „Tartuffe“ durch Friedrich Wilhelm Murnau. 1930 wurden hier Filme wie „Unter den Dächern von Paris“ von René Clair und am 1. April die Premiere von „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich gezeigt.

Der Zweite Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kino 1943 bei Bombenangriffen fast vollständig zerstört. Nach Kriegsende wurde 1953 ein neuer „Gloria Palast“ neben dem alten Standort errichtet, der nicht wiederaufgebaut werden konnte. Über mehrere Jahre hinweg war das Kino eine der Bühnen der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale). 1971 wurde der Saal umgebaut, und ein Jahr später entstand im Keller ein kleiner Saal namens „Gloriette“. 1986 wurden im Zuge der Errichtung der Gloria-Passage beide Säle vollständig umgestaltet.

Das Kino blieb bis 1998 in Betrieb, als es geschlossen wurde und die Räume eine neue Funktion erhielten. Ein Modegeschäft des Jeanslabels „Replay“ zog ein. Später wechselte das Gebäude erneut den Eigentümer, und die „Gloria Galerie“ wurde im Juli 2006 für 85 Millionen Euro an den englischen Investor „Dawnay Day Trevira Funds“ verkauft. Seitdem wurden die Wohn- und Gewerbeflächen von Einzelhändlern und Restaurants wie „Hallhuber“, „Benetton“ und „Marché“ genutzt.

Der vollständige Abriss

2015–2016 wurde eine bauliche Untersuchung des Gebäudes durchgeführt. Der Bericht ergab, dass die Fassade aus den 1950er-Jahren instabil war. Daher wurde 2017 ein Abrissantrag gestellt, der trotz des Denkmalschutzes genehmigt wurde. Laut dem Bericht der obersten Denkmalschutzbehörde war eine Erhaltung des Gebäudes durch notwendige Renovierungen nicht möglich. Zudem galt das Denkmal aufgrund zahlreicher Umbauten und Ergänzungen nicht mehr als authentisch.

Dennoch gab es langwierige Auseinandersetzungen zwischen den Bezirksbehörden, dem Senat und Denkmalschützern. Die Verteidiger des historischen Erbes wiesen darauf hin, dass das Neon-Schild, das Foyer und die Wendeltreppe als wertvolle Zeugnisse der Geschichte zu bewahren seien. In der Zwischenzeit wurden die wertvollsten Elemente des Gebäudes jedoch vermutlich weltweit verstreut oder durch Abbruchbagger zerstört. So finden sich beispielsweise Wandleuchten des „Gloria Palast“ im neu errichteten „Delphi LUX“.

Der Neubau

Die neuen Eigentümer, „Centrum Holding“ und „RFR Frankfurt am Main“, errichteten nach dem Abriss ein neues Stahl- und Glaskomplex. Dieser besteht aus zwei Büro- und Geschäftshäusern und wurde als „Gedenkgebäude“ konzipiert.

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