Unter den jungen deutschen Schauspielern, die rasant den europäischen Kinoraum erobern, stechen Talente aus Berlin – der Stadt, in der fast täglich neue Namen geboren werden – besonders hervor. Doch selbst in dieser kreativen Welle gelang es dem Star Liv Lisa Fries, sich so abzuheben und auf sich aufmerksam zu machen, dass man sie bereits nach ihrem ersten Auftritt auf der Leinwand in Erinnerung behielt. Liv wurde durch die Serie „Babylon Berlin“ berühmt, in der sie die mutige Polizeianwärterin Charlotte Ritter spielte. Danach folgten viele weitere interessante Rollen, die dem Publikum nicht nur in Deutschland im Gedächtnis blieben. Weiter auf berlintrend.eu.
Erste Schritte auf dem Weg zum Erfolg

Liv Lisa Fries wurde im Oktober 1990 in Berlin geboren. In ihrer Familie gab es keine Schauspieler: Die Mutter arbeitete als Stewardess, der Vater als Seemann. Das Interesse für das Kino erwachte in dem Mädchen, nachdem sie das kultige französische Kriminaldrama „Léon – Der Profi“ (Léon) von Regisseur Luc Besson gesehen hatte. Die dreizehnjährige Natalie Portman, die Mathilda spielte, beeindruckte die junge Liv so sehr, dass sie von da an beschloss, ihre Zukunft gehöre nur der Bühne. Die Eltern unterstützten das Mädchen. Schon als Schülerin begann Liv, Schauspielunterricht bei der bekannten Pädagogin Christiane Kupfer zu nehmen.
Als Studentin studierte sie einige Zeit im Rahmen eines Austauschprogramms in Peking, kehrte dann nach Berlin zurück und widmete sich der Philosophie und Literatur. Die Schauspielkarriere, die rasant an Fahrt aufnahm, zwang sie jedoch, die Universität zu verlassen. Die Rolle der aggressiven und desillusionierten Linda im deutschen Fernsehfilm „Sie hat es verdient“ (She Deserved It), der 2010 erschien, wurde zu ihrer ersten ernsthaften Herausforderung. Liv gestand, dass sie sich während der Dreharbeiten genauso einsam und isoliert fühlte wie ihre Heldin – das war der Moment, in dem die Schauspielerin begann, wirklich in die Rolle einzutauchen.
Anfänge der Anerkennung

Nach diesen Versuchen drehte Fries aktiver, erschien jedes Jahr in neuen Filmen. Kritiker bemerkten sofort ihre Facettenhaftigkeit und die Fähigkeit, völlig unterschiedliche Charaktere zu erschaffen, und das Publikum hob die Aufrichtigkeit und innere Stärke der Schauspielerin hervor. 2011 spielte sie in dem Drama „Romeos“ der Regisseurin Sabine Bernardi mit, das auf Festivals erfolgreich war. Im selben Jahr wurde ihr Talent auch in einer anderen Rolle gewürdigt: Liv wurde Mitglied der Jury des Poesiefilmfestivals in Münster und war das jüngste Mitglied des Richterkollegiums.
Besonders gelungen war für die Schauspielerin die Rolle des Mädchens Lea in dem Film „Und morgen Mittag bin ich tot“ (Zürich) von Regisseur Frederic Steiner. Um maximal in die Rolle der an Mukoviszidose erkrankten Heldin einzutauchen, traf sich Liv mit Patienten, die mit dieser Krankheit leben, lief sogar Treppen hoch und atmete durch einen Strohhalm, um die physischen Probleme ihrer Figur nachzuempfinden. Für diese Rolle erhielt Liv Lisa Fries den Bayerischen Filmpreis – für herausragende Leistungen im deutschen Kino – und eine Auszeichnung beim Max-Ophüls-Preis Festival. Diese Schauspielerin konnte allen beweisen, dass sie fähig ist, jede Rolle zu leben, sich meisterhaft zu verwandeln und Charaktere zu erschaffen, die man nicht vergessen kann.
Auf den Stufen des Erfolgs

2012 erhielt Liv Lisa ihre erste bedeutende Auszeichnung in der Kinowelt – die Goldene Kamera als beste Nachwuchsschauspielerin für den Film „Sie hat es verdient“. Etwas später, im Jahr 2014, konnte sie einen noch breiteren Kreis von Zuschauern und Kritikern beeindrucken. Ihre Rolle im Film „Und morgen Mittag bin ich tot“ (Zürich) brachte ihr den Bayerischen Filmpreis in der Kategorie „Beste Nachwuchsdarstellerin“ ein. Darüber hinaus zeichnete der Deutscher Regiepreis Metropolis sie als Darstellerin der besten weiblichen Hauptrolle in diesem Film aus. 2015 erhielt Liv eine weitere wichtige Anerkennung – den Preis der deutschen Filmkritik als beste Schauspielerin in demselben Film. Diese Auszeichnungen wurden zu einer Art Zusammenfassung der triumphalen Welle ihrer Erfolge. Jede Auszeichnung fügte ihrem Ruf einen neuen Akzent hinzu und bestätigte, dass Liv Lisa Fries in der Lage ist, Herzen nicht nur in Deutschland, sondern auch weit über dessen Grenzen hinaus zu erobern.
Das babylonische Abenteuer

Die Welt würdigte Liv Lisa Fries im Jahr 2017, als Tom Tykwer die dramatische Neo-Noir-Serie „Babylon Berlin“ präsentierte. Dieses Projekt war eine echte Herausforderung: Die Dreharbeiten zur teuersten deutschsprachigen Serie mit 40 Millionen Euro allein für die ersten beiden Staffeln waren riskant. Doch genau Liv erhielt die Rolle der Charlotte Ritter, die ihr weiteres Leben veränderte. Sie spielte eine junge Polizeianwärterin, die davon träumte, die erste weibliche Mordermittlerin in Berlin zu werden, aber nachts im Kabarett arbeiten musste, um zu überleben. Dieser Kontrast zwischen Stärke und Verletzlichkeit in Livs Darstellung machte die Heldin unglaublich.
Die Serie versetzte die Zuschauer in die Zeit des Niedergangs der Weimarer Republik. Tom Tykwer erklärte seine Idee damit, dass die Menschen damals nicht verstanden, wie instabil die Gesellschaft war und die Zerbrechlichkeit der Demokratie täglich auf die Probe gestellt wurde. Seiner Meinung nach explodierte Berlin damals zwar mit neuen Ideen, Kunst, Theater und Musik, doch daneben herrschten Armut und die Folgen des Krieges. Und daran musste man die Menschen erinnern. Liv tauchte voll und ganz in diese Anspannung ein, als sie ihre Rolle spielte, denn ihre Heldin lebte zwischen zwei Welten: der gefährlichen Nacht und dem strengen Tag. Der Erfolg der Serie war nicht auf Deutschland beschränkt. „Babylon Berlin“ erlangte internationale Anerkennung, und Liv erhielt zusammen mit dem Team den Adolf-Grimme-Preis.
Zwischen Geschichte und Fantasie

Seitdem wurde ihre Karriere vielfältig: Liv Lisa Fries drehte in der Fantasyserie „Beyond“, im Detektivthriller „Hinterland: Stadt der Sünde“ (Hinterland: City of Sins) und im britischen Film „München – Im Angesicht des Krieges“ (Munich. The Edge of War). Sie spielte auch Gastrollen in beiden Staffeln der amerikanischen Serie „Counterpart“ und trat im Film „Prélude“ zusammen mit Louis Hofmann auf.
Kritiker lobten auch Livs Arbeit in dem Drama „Freuds letzte Sitzung“ (Die letzte Sitzung von Freud) von Regisseur Matt Brown, in dem sie die jüngste Tochter von Sigmund Freud – Anna – spielte. Liv Lisa Fries’ Partner am Set waren Stars wie Anthony Hopkins, Matthew Goode, Jodi Balfour und Stephen Campbell Moore. Diese Arbeit wurde für sie nicht nur zu einer professionellen Herausforderung. Später erinnerte sich die Schauspielerin, dass es ihr wichtig war, etwas zu tun, was sie noch nie zuvor getan hatte, Ungewohntes zu erleben, aber gleichzeitig zu wissen, dass jemand an ihrer Seite war, der ihr Spiel verstand. Der Film kam 2023 in die Kinos und unterstrich einmal mehr Livs Fähigkeit, Charaktere mit maximaler Glaubwürdigkeit zu erschaffen.
Das Leben abseits der Kamera

Liv Lisa Fries ist eine der verschwiegensten Schauspielerinnen des modernen deutschen Kinos. Sie spricht selten über ihr Privatleben und beschränkt sich in Interviews grundsätzlich auf berufliche Themen. Daher können Fans nur vermuten, ob sie einen Ehemann hat, da Liv ihre romantischen Beziehungen nie öffentlich gemacht hat. Sie hat eine Instagram-Seite, obwohl die Schauspielerin gestand, dass sie den modernen Technologien fernsteht und persönliche Kommunikation bevorzugt. Gleichzeitig ist das Mädchen eine sehr facettenreiche Persönlichkeit.
Sie sieht sich nicht als Aktivistin, kümmert sich aber um die Umwelt. Liv ist Polyglotte: Neben ihrer Muttersprache Deutsch spricht sie Englisch, Französisch und Chinesisch. Sie interessiert sich für Mode, liebt das Reiten, und ihr bekanntes Hobby ist Yoga. Über ihre Freizeit erzählte sie Journalisten, dass sie modernen Tanz liebt, weil er es ihr ermöglicht, frei zu sein. Der Schauspielerin gefällt es auch, sich mit Freunden zu treffen, zu reisen, Fahrrad zu fahren, zu schwimmen, zu lesen, und sie findet auch Zeit, sich in der Stille außerhalb der Stadt zu erholen.
Sinnsuche und professionelle Philosophie

2024 präsentierte Liv Lisa Fries das biografische Drama „Von Hilda mit Liebe“ (Von Hilda mit Liebe) über das Ehepaar Hilda und Hans Coppi – Mitglieder der antifaschistischen Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“. Um maximal in die Rolle einzutauchen, studierte sie Fotos, kopierte die Gesten der Heldin, besuchte Orte, an denen Hilda gearbeitet hatte. Liv gestand, dass sie in einem Moment sogar das Gefühl hatte, als würden die Wände zu ihr sprechen und die tragische Geschichte von Hilda Coppi erzählen, die im August 1943 von den Nationalsozialisten wegen ihrer oppositionellen Tätigkeit hingerichtet wurde.
Ein weiteres interessantes Projekt von Liv war die Miniserie „Kafka“, die auf der Biografie des österreichischen Schriftstellers Franz Kafka basiert. Joel Basman spielte Kafka, und Liv Lisa Fries verkörperte die tschechische Journalistin und Schriftstellerin Milena Jesenská, mit der Kafka einen leidenschaftlichen Briefwechsel führte und der er kurz vor seinem Tod seine Tagebücher schickte. Die Premiere der Serie fand im März 2024 statt und war ein bedeutender Erfolg.
Zwischen Kino und persönlicher Welt

Filme und Serien mit Liv Lisa Fries wurden dank der Bemühungen aller kreativen Filmteams populär. Aber der Beitrag der jungen Schauspielerin war ebenfalls bedeutend, was sowohl Kritiker als auch Zuschauer anerkannten. Liv betonte immer, dass sie ihren Beruf liebt, es war ihr immer wichtig zu erfahren, was Menschen sagen wollen, und dies dann in der Rolle zu vermitteln. Ihrer Meinung nach ist das Leben eine Art Reise, und unterwegs schauen wir alle darauf, was passiert, suchen Antworten auf unsere wichtigen Fragen. Die Schauspielerin selbst ist nicht sicher, ob sie immer nach Antworten auf die Fragen gestrebt hat. Aber sie interessierte sich immer dafür, was Freude oder Angst bringt, wann und warum Spannung zwischen Gedanken und Gefühlen entsteht. Deshalb blieb für Liv Lisa Fries der Prozess der Suche nach der richtigen Antwort immer wichtiger. Diese Besonderheit konnte ihr Spiel nicht unberührt lassen und machte die Schauspielerin zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit im kreativen Kreis der modernen Filmstars Deutschlands.
Quellen:





