Der Berliner Oskar Eduard Messter – Vater der deutschen Filmindustrie

Im 21. Jahrhundert ist es schwer vorstellbar, dass der Stummfilm einst Zuschauer begeisterte und volle Kinosäle füllte. Doch genau das war vor etwa einem Jahrhundert der Fall. In jedem Land gab es Pioniere, die dieses Wunder ihren Landsleuten brachten. In Deutschland wurde der Berliner Oskar Eduard Messter zum Vater der deutschen Filmindustrie. Der Filmproduzent, Drehbuchautor, Kameramann und Regisseur eröffnete nicht nur das erste Kino in Berlin, sondern entwickelte auch zahlreiche Erfindungen und technische Verbesserungen, die für die Entwicklung der Filmindustrie von großer Bedeutung waren. Mehr dazu auf berlintrend.eu.

Eine würdige Nachfolge in einer Wissenschaftlerfamilie

Oskar Eduard Messter wurde im November 1866 in Berlin in eine Familie von Wissenschaftlern und Unternehmern geboren. Sein Vater, Eduard Messter, gründete in der Hauptstadt ein Unternehmen, das optische Geräte, Brillen und medizinische Instrumente herstellte und vertrieb. Herr Messter nahm auch Aufträge für optische Konstruktionen für Zauberkünstler und Showmänner an, installierte elektrische Beleuchtung in Theatern und entwickelte Projektionen für die damals beliebten „Zauberlaternen“. Von klein auf lebte Oskar Eduard in einer Atmosphäre von Erfindungen, Entwicklungen und wissenschaftlichen Fortschritten, was früh sein Interesse an mechanischen Innovationen weckte.

Erste Erfindungen

Foto: Der erste Filmprojektor

Nach dem Schulabschluss absolvierte Oskar eine Ausbildung zum Optiker im Unternehmen seines Vaters. Praktische Fertigkeiten auf hohem Niveau erwarb er in der Werkstatt von Paul Wechler. Mit 28 Jahren übernahm er das Familienunternehmen, führte es geschickt, strebte aber stets nach mehr. Anfang 1896 begann Oskar Eduard mit der Entwicklung eines Filmprojektors und erfand eine originelle Lösung für eine intermittierende Projektion. Er wagte es, die ersten funktionstüchtigen Modelle mit Malteserkreuz auf dem deutschen Erfindungsmarkt zu präsentieren.

Später eröffnete Messter die erste Filmfabrik des Landes und begann mit der Serienproduktion seiner verbesserten Geräte. Dazu gehörten nicht nur Filmprojektoren, sondern auch Kameras und Hilfsgeräte. Insgesamt konstruierte er 64 Filmprojektoren, von denen 42 in Deutschland und 22 in anderen europäischen Ländern verkauft wurden. Forscher vermuten, dass Messter sich nicht nur auf die Geräteproduktion beschränkte, da er den Wettbewerb berücksichtigte. Damals stellte ein weiteres deutsches Unternehmen ebenfalls ähnliche Geräte her, basierend auf Entwürfen des Franzosen Victor Continsouza. Messters Produkte waren jedoch aufgrund ihrer hohen Qualität und ihres originellen Designs begehrter. Zudem verbesserte er seine Modelle kontinuierlich. Bis Oktober 1897 hatte er einen 113-seitigen Katalog seiner Geräte vorbereitet.

Ein neues Kapitel

Foto: Dreharbeiten eines Stummfilms nahe dem Hasenheide-Park in Berlin, 1910

Doch das reine Konstruieren reichte Messter nicht aus. 1896 eröffnete er ein Filmstudio in der Friedrichstraße in Berlin. Dort verbesserte er die Möglichkeiten der künstlichen Beleuchtung und begann, erste kurze Stummfilme zu drehen, darunter Dokumentar- und Spielfilme. Er agierte gleichzeitig als Drehbuchautor, Regisseur, Kameramann und Produzent. Bereits ein Jahr später umfasste seine Sammlung 84 Filme: komische Szenen, Sportereignisse, Straßenszenen, militärische Themen und Kabarettauftritte. Er schloss sein Studio an ein Theater in der Straße Unter den Linden an.

Am 1. November präsentierte er den Berlinern die erste Filmvorführung im beliebten Apollo-Varieté-Theater. Nach diesem Erfolg baute er einen Projektionierungsdienst für Theater in der Region auf. 1897 gründete Messter die Firma „Messter-Film“, die erste Stummfilme produzierte. Die Themen reichten von kaiserlichen Paaren über Naturaufnahmen bis zu Luftaufnahmen Berlins aus einem Ballon. Seine Bühneninszenierungen wie „Rapunzel“, „Hänsel und Gretel“ und „Die bösen Buben“ aus dem Jahr 1897 wurden besonders bekannt.

Die ersten Tonfilme von Messter

Im Juni 1900 gründete der talentierte Regisseur und Erfinder sein eigenes Produktionsunternehmen „Messter Projections“ und eröffnete ein Kino in der Straße Unter den Linden in Berlin. 1903 wurden dort die ersten Tonfilme auf einem von Messter entwickelten Projektor und einem Phonographen gezeigt, den er „Biophon“ nannte. Auf den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis nutzte Oskar Eduard das Biophon, um die ersten Filme mit synchronisierten Tonspuren aufzunehmen.

Messter teilte seine Unternehmen in Abteilungen für Produktion, Verbreitung und Geräteherstellung auf. Als hervorragender Geschäftsmann wusste er, welche Projekte sich lohnten, nahm aber auch nicht-kommerzielle Produktionen in Angriff. Zwischen 1900 und 1910 experimentierte er mit mikroskopischer Kinematografie und arbeitete an englischsprachigen Tonfilmen, die auf der Weltausstellung 1903 in St. Louis ausgezeichnet wurden. 1912 drehte er gemeinsam mit dem deutschen Astronomen Archenhold den ersten Film über eine Sonnenfinsternis, der ein Publikumserfolg wurde. Bis 1913 hatte er 500 Theater mit seiner synchronisierten Tonanlage „Biophon“ ausgestattet und eine wöchentliche Kinorundschau in Berlin eingeführt. Zudem war er Mitbegründer und erster Präsident des Deutschen Kino-Technik-Verbandes.

Beitrag zur Technologieentwicklung im Ersten Weltkrieg

Foto: Luftbildfotografie während des Ersten Weltkriegs

Während des Krieges arbeitete Messter als Leutnant im Presseamt des Generalstabs und produzierte wöchentliche Dokumentarfilme. 1915 entwickelte er im Auftrag des Generalstabs eine Kamera für die Luftaufklärung, wofür er das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt. Gemeinsam mit Alexander Joseph Kolowrat-Krakowsky gründete er 1916 die Sascha-Messter-Filmstudios, die Kriegsberichte produzierten. In seinem Memorandum „Film als Mittel politischer Propaganda“ hob er die Bedeutung solcher Produktionen hervor.

Wandel der Tätigkeit

Ende des Ersten Weltkriegs verkaufte Messter 1918 alle seine Unternehmen an die neu gegründete UFA für 5,3 Millionen Goldmark. Seine Verdienste blieben jedoch anerkannt. 1926 stiftete die Vereinigung Deutscher Filmhersteller die „Oskar-Messter-Medaille“ für Verdienste in der Filmtechnik, deren erster Preisträger Messter selbst 1927 wurde. Bis dahin hatte er über 200 Filme produziert und war Produzent von 230 Filmwerken.

Im August 1928 wurde Messter Mitbegründer der Tobis-Tonfilmgesellschaft und weiterhin als Technikexperte tätig. Seine umfangreiche Sammlung filmtechnischer Geräte schenkte er dem Deutschen Museum in München.

Die letzten Lebensjahre

Foto: Oskar Messter mit seiner Frau Antonia

Parallel zu seiner Arbeit schrieb er seine Autobiografie „Mein Weg mit dem Kino“, die 1936 erschien. Im selben Jahr wurde ihm der Titel eines Ehrendoktors der Technischen Universität Berlin verliehen.

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