Der „Titania-Palast“ ist eines der wenigen Berliner Kinos, die aus den glamourösen frühen Jahren der Tonfilme erhalten geblieben sind. Berlin in den Goldenen Zwanzigern, wie jede Metropole, lud zu Vergnügungen ein, und die Menschen strömten in die Kinos. In den Jahren 1927–1928, als das Stummfilmzeitalter dem Tonfilm wich, wurde in Steglitz ein echter Kinopalast errichtet, der durch seine luxuriöse Einrichtung den Kinobesuch zu einem besonderen Erlebnis machte. Mehr über die Geschichte des „Titania-Palast“ erfahren Sie auf berlintrend.eu.
Feinste Lichtarchitektur

Die Architekten Ernst Schöffler, Carlo Schlenbach und Carl Jacobi gestalteten das Äußere des „Titania-Palast“ in beeindruckenden Formen im Stil der Neuen Sachlichkeit. Dieser Stil war typisch für die Architektur der 1920er-Jahre und umfasste eine Anordnung mehrerer kubusförmiger Bauten. Die schlichten Fassaden wurden durch horizontale Mauerstreifen und schmale vertikale Fenster gegliedert, die im unteren Drittel von runden Bögen umrahmt wurden.
Eine der außergewöhnlichsten Besonderheiten des Gebäudes ist der etwa 30 Meter hohe Turm an der Ecke. Beschreibungen reichten von „Dampfschlot“ bis „Himmelsleiter“. Nachts verwandelte sich das Gebäude und betonte, worauf Schöffler, Schlenbach und Jacobi den Fokus legten: Lichtarchitektur. Elektrisches Licht, das Symbol der lebendigen Stadt Berlin, wurde vielseitig eingesetzt. 27 Lichtstreifen aus Opalglas machten den Eckturm nachts zu einem Leuchtturm, der den Kinopalast weithin sichtbar machte. Der Name des Kinos leuchtete auf Neonröhren, während über dem Eingang Filmankündigungen erstrahlten.
Selbst der kompromisslose Kritiker Leo Adler, der sich selten positiv über Gebäude äußerte, lobte, dass der „Titania-Palast“ in Bezug auf die Nutzung moderner Lichttechnologie ein Meilenstein sei.
Ein Tempel des Kinos

Durch Umbauten in den 1950er- und 1960er-Jahren ist vom ursprünglichen Interieur des „Titania-Palast“ nichts erhalten geblieben. Im Januar 1928, als das Kino mit der Vorführung des Stummfilms „Sprung ins Glück“ eröffnete, waren die Filmstars und Premierenbesucher erstaunt über den Kontrast zwischen dem schlichten, strengen Äußeren und dem luxuriös ausgestatteten Inneren.
Das große Foyer im Art-déco-Stil, mit roten Samtwänden und vergoldeten Elementen, strahlte Exklusivität aus. Der Saal, der etwa 2000 Zuschauern Platz bot, war in weichen, organischen Formen gestaltet. Eine runde Lichtkuppel an der Decke, geschwungene Wände und muschelähnliche Bögen um die Leinwand machten den Kinosaal zu einem Tempel des modernen Films.
Mehr als ein Kino

Von der Eröffnung bis in die Nachkriegszeit war der „Titania-Palast“ mehr als nur ein Kino – er wurde ein wichtiges kulturelles Zentrum von Steglitz. Vor dem Zweiten Weltkrieg fanden hier neben Filmvorführungen auch Theateraufführungen statt. Im Oktober 1929 flimmerte der erste Tonfilm über die Leinwand. Der Kinosaal war sogar für ein Orchester von bis zu 60 Musikern ausgelegt.
Dies war einer der Gründe, warum im Mai 1945 hier das erste Nachkriegskonzert der Berliner Philharmoniker stattfand. Am 4. Dezember 1948 wurde im „Titania-Palast“ die Freie Universität Berlin gegründet.
Nach Umbauten in den 1960er-Jahren wurden die Räumlichkeiten jahrzehntelang von Einzelhandelsgeschäften genutzt. Mitte der 1990er-Jahre wurden Pläne für eine Rekonstruktion und Nutzung als Kino entwickelt. 1995 fand die erste Filmvorführung nach 30 Jahren statt. Der moderne Kinokomplex verfügt über sieben Säle, und nur die Fassade und der Name erinnern an den „Titania-Palast“ der 1920er-Jahre.





