Das Lied „Berliner Luft“ wird von den Bewohnern der Hauptstadt als inoffizielle Hymne Berlins bezeichnet. Der Text bezaubert auch nach über einem Jahrhundert mit seinem leichten Humor und seinen prägnanten Reimen. Der Komponist schrieb das Stück ursprünglich für ein gleichnamiges Theaterstück, ahnte jedoch nicht, dass seine Zeilen so populär werden würden. Viele Jahre später bleibt eine deutsche Tradition unverändert: Die Berliner Philharmoniker beenden ihre jährlichen Konzerte in der Waldbühne stets mit der Aufführung von „Berliner Luft“. Mehr auf berlintrend.eu.
Wie entstand „Berliner Luft“?

Das bekannte Lied wurde 1904 von Paul Lincke für das gleichnamige Theaterstück komponiert. Die Premiere fand im Apollo-Theater in Berlin statt. Doch das Stück fand beim Publikum keinen Anklang und wurde bald aus dem Repertoire gestrichen. Lincke erinnerte sich erst 1922 an sein Werk, als er an einer neuen Fassung seiner Operette „Frau Luna“ arbeitete. Das Lied „Berliner Luft“ wurde in die Finalnummern beider Akte integriert und begeisterte sofort das Publikum.
Ursprünglich Teil eines Theaterstücks, wurde „Berliner Luft“ bald auch als eigenständiges Musikstück in Berliner Konzertsälen gespielt. Lincke machte das Lied zum Synonym für die freie Lebensart Berlins. Es beschreibt die einzigartige Magie der Stadt: „wo nur das Beste kommt, die Menschen Tag und Nacht lärmen und unsere Herzen in unseren Körpern lachen.“ Binnen weniger Jahre wurde das Lied in vielen deutschsprachigen Ländern bekannt. Die Melodie ist ein Marsch, jedoch mit einem unbeschwerten Rhythmus, der den Geist des industriellen Berlins einfängt.
Wie beeinflusste „Berliner Luft“ das Leben seines Schöpfers?

Paul Lincke zeigte schon früh Interesse an Musik, insbesondere an preußischen Märschen. In Wittenberg wurde er zum Fagottisten ausgebildet und beherrschte weitere Instrumente wie Tenorhorn, Schlagzeug und Klavier. Seine Kompositionen spiegelten die Lebensart des kaiserlichen Berlins wider und waren bei Menschen beliebt, die die alte Ära vermissten. Mit „Berliner Luft“ erzielte Lincke einen ungeahnten Erfolg. Als in den 1920er Jahren moderne Rhythmen wie Foxtrott und Jazz aufkamen, wandte sich Lincke wieder seinen eigenen Werken zu, da er diese neuen Stile nicht mochte.
Popularität in der NS-Zeit

1935 erklang „Berliner Luft“ erneut in der überarbeiteten Operette „Frau Luna“ im Volkstheater. Die opulenten Inszenierungen mit eindrucksvollen Bühnenbildern fanden großen Anklang. 1936 wurde das Lied von Lotte Werkmeister auf Schallplatte aufgenommen und avancierte zu einem Hit. Während der NS-Zeit wurde Lincke von der Regierung hofiert und erhielt zahlreiche Aufträge, da seine Werke den „Volksgeist“ widerspiegelten.
Das Erbe von „Berliner Luft“

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Lincke die Zusammenarbeit mit dem NS-Regime erklären, seine Werke wurden jedoch vorübergehend verboten – mit Ausnahme von „Berliner Luft“. Das Lied blieb weiterhin beliebt und wurde in unterschiedlichsten Arrangements gespielt, von Blasorchestern bis zu mechanischen Klavieren. Zu den berühmten Interpreten gehören Erwin Hartung, Plácido Domingo und Zarah Leander.
Das Lied symbolisiert den Geist Berlins und wurde in die Liste der „100 Hits des Jahrhunderts“ aufgenommen, was ihm den Status einer inoffiziellen Hymne der Hauptstadt verlieh. Es existieren auch Coverversionen in anderen Sprachen, darunter ein niederländisches Lied über den Rhein. Dennoch bleibt die Originalversion in Berlin unübertroffen, wo die Philharmoniker das Instrumentalstück „Berliner Luft“ traditionell bei jedem Saisonabschlusskonzert spielen.





