Berlin gilt seit Langem als Theaterhauptstadt der Welt – mit insgesamt 19 Bühnen. Doch nur drei davon sind Opernhäuser. Warum also gleich drei, wo doch eine zentrale Bühne mit vereinten Kräften genügen könnte? Zumal Städte wie München oder Frankfurt über größere Haushaltsbudgets verfügen, aber weniger Opernhäuser haben – zwei in München, eines in Frankfurt. Die Gründe sind historischer Natur: Zuerst wurde die renommierte Staatsoper gegründet, es folgten die Komische Oper und schließlich die Deutsche Oper Berlin. Jedes dieser Häuser hat heute ein eigenes Profil, ein besonderes Publikum und einen unverwechselbaren Spielplan. Lesen Sie mehr auf berlintrend.eu.
Die Gründung der Staatsoper

Als Hauptstadt Preußens – und später des Deutschen Kaiserreichs – war es naheliegend, dass Berlin ein repräsentatives Opernhaus braucht. Friedrich II. persönlich ordnete dessen Bau an. Das klassizistische Gebäude nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff wurde innerhalb von zwei Jahren errichtet und 1742 eröffnet. Schon bald wurde das Haus so beliebt, dass Friedrich Wilhelm II. 1786 eine Erweiterung veranlasste: Die Seitenlogen wurden umgebaut, die Bühne neu positioniert – nicht mehr quer, sondern frontal zur Publikumsfläche.
1811 wurden die Königliche Oper und das Königliche Nationaltheater zur Königlichen Bühne vereinigt. Im 20. Jahrhundert wurde die Berliner Staatsoper zur Heimat großer Künstler, allen voran Daniel Barenboim, der als erster Musiker der Stadt lebenslang zum Generalmusikdirektor ernannt wurde. Seitdem trägt das Haus den Namen „Staatsoper Unter den Linden“. Die umfassende Sanierung begann 2010 und wurde 2017 abgeschlossen – für rund 500 Millionen Euro.
Neue Namen und neue Förderer

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 erhielt die Staatsoper den offiziellen Namen „Staatsoper Unter den Linden“, um Verwechslungen mit der Deutschen Oper zu vermeiden. Die Adresse Unter den Linden gab der Institution Klarheit und Identität. Eine Fördergesellschaft aus prominenten Unterstützern wie Hans-Dietrich Genscher, Friede Springer, Teddy Kollek und Henry Kissinger setzt sich seit 1992 für das Haus ein – finanziell und ideell.
Die Entstehung der Komischen Oper

Wer sich nach leichter Unterhaltung sehnte, fand sie ab 1892 in der Komischen Oper, wo zunächst ausschließlich Operetten gespielt wurden. Doch das Haus scheiterte finanziell und wurde schon 1896 wieder geschlossen. Nach einem Neustart 1898 etablierte es sich als Varieté-Bühne, wurde unter den Nazis 1933 erneut geschlossen und erst in den 1960er-Jahren nach schwerer Kriegszerstörung wieder aufgebaut.
Prägend wurde die Ära des Regisseurs Walter Felsenstein, der die Komische Oper zu einer Bühne für innovative Inszenierungen machte – mit deutschen Opern, Barockwerken und Musicals. In der DDR wurde das Haus zur kreativen Experimentierbühne für Regiekonzepte. Nach der Wende wollte man es zunächst schließen – doch dann kam Barry Kosky. Der australische Regisseur setzte auf Pariser Operetten, Berliner Kabarett, Broadway-Hits und eine opulente Ästhetik – mit enormem Erfolg. Seit seinem Weggang 2022 bleibt er dem Haus als Gastregisseur verbunden.
Warum eine dritte Oper nötig war

In Ost-Berlin gab es bereits zwei große Opernhäuser. Doch im westlichen Teil der Stadt, der damals noch Charlottenburg war, wuchs der Wunsch nach einem eigenen Haus. Die Reise in den Osten war zu umständlich, die Oper ein Prestigeobjekt. 1912 gründete der Kritiker Otto Neumann-Hofer das Haus als „Deutsches Opernhaus“. 1920 wurde Charlottenburg in Berlin eingemeindet, das Haus zur „Städtischen Oper“. Unter den Nationalsozialisten wurde es wieder umbenannt – und dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterstellt.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Deutsche Oper ein zentrales Haus. Heute wird sie manchmal dafür kritisiert, mehr auf Masse als auf Klasse zu setzen. Doch sie bietet jungen Künstlern eine Bühne und punktet mit Vielfalt: von Mozart in traditionellen Inszenierungen bis zu modernen Werken des 20. Jahrhunderts.
Der Einfluss des Zweiten Weltkriegs

Der Krieg zerstörte die ursprünglichen Strukturen: Die Deutsche Oper wurde fast vollständig zerbombt, die Staatsoper verlor Bühne und Zuschauerraum, die Komische Oper ihren prächtigen Eingang. Nach der Teilung Berlins wurden Staats- und Komische Oper in der DDR wieder aufgebaut, die Deutsche Oper erhielt 1961 in Westberlin ein neues Gebäude. Zuvor spielte das Ensemble übergangsweise im Theater am Kurfürstendamm.
Die Bundesrepublik förderte das Haus intensiv – mit Erfolg. Legendär wurde die „Zauberflöte“-Vorstellung 1967, bei der der Schah von Persien zu Gast war. Es folgten zahlreiche Uraufführungen – von „Montezuma“ bis „Oedipus“. Nach der Wiedervereinigung wurden alle drei Häuser in die „Stiftung Oper in Berlin“ überführt. Dennoch koordiniert man bis heute Spielpläne nur unzureichend – sehr zum Ärger des Publikums. Doch eines ist sicher: In keiner anderen Stadt ist die musikalische Vielfalt so groß. Opernfreunde aus aller Welt pilgern nach Berlin, um das einzigartige Angebot zu erleben.





