Paul Hindemith, einer der bekanntesten deutschen Komponisten, ging als Hauptpolyphonist des 20. Jahrhunderts in die Musikgeschichte ein. Der talentierte Musiker und Dirigent komponierte Werke in vielfältigen Stilrichtungen – von Opern und Balletten bis hin zu Orchesterstücken. Sein berühmtestes Werk, die „Symphonischen Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber“, wird seit Jahrzehnten weltweit aufgeführt. Hindemith beherrschte nahezu alle Instrumentenstimmen seiner Orchesterpartituren, was ihn zu einem der vielseitigsten Komponisten machte. In Berlin hinterließ er als Dozent an der Berliner Musikhochschule (heutige Universität der Künste) und als Ehrendoktor der Freien Universität Berlin einen bedeutenden Einfluss. Mehr auf berlintrend.eu.
Kindheit und Jugend mit Musik
Paul Hindemith wurde im November 1895 in Hanau als ältester Sohn des Malers und Dekorateurs Robert Hindemith und Maria Warnecke geboren. Schon in seiner Kindheit spielte er begeistert Geige und begann später ein Studium am Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt bei den renommierten Musikern Adolf Rebner, Arnold Mendelssohn und Bernhard Sekles. Erste Einnahmen erzielte er mit Auftritten in Tanzensembles und Musikcomedy-Gruppen. 1914 wurde er stellvertretender Konzertmeister der Frankfurter Oper, 1916 folgte die Position des Konzertmeisters.
Nach dem Tod seines Vaters im Ersten Weltkrieg wurde Paul zur Deutschen Kaiserlichen Armee eingezogen. Im Januar 1918 kam er zu einem Regiment im Elsass, wo er im Regimentsorchester spielte und ein Streichquartett gründete. Später kämpfte er an der Front in Flandern und überlebte nur knapp, wie er in seinen Tagebüchern schilderte. Nach Kriegsende kehrte er in das Rebner-Quartett zurück und begann eigene Kompositionen zu schreiben.
Musikalische Vielfalt der 1920er Jahre

Paul Hindemith profilierte sich rasch als talentierter Geiger und Bratschist. Zunächst komponierte er Kinderlieder, Kammermusik und experimentelle Theatermusik. Seine frühen Werke wurden dem spätromantischen Stil zugeordnet, bevor er sich zunehmend dem Expressionismus zuwandte. 1922 wurden mehrere seiner Stücke bei den Weltmusiktagen in Salzburg aufgeführt, was ihm öffentliche Aufmerksamkeit verschaffte.
Ein Jahr später organisierte Hindemith das Festival für zeitgenössische Musik in Donaueschingen, um Werke führender avantgardistischer Komponisten wie Arnold Schönberg, Anton Webern und Arthur Honegger zu fördern. In den späten 1920er Jahren wandte er sich verstärkt dem Klassizismus zu. 1927 wurde er eingeladen, an der Berliner Musikhochschule Kompositionslehre zu unterrichten. Dort gründete er das Amar-Quartett, das in Berlin große Bekanntheit erlangte.
Hindemiths Musik in den 1930er Jahren
In den 1930er Jahren konzentrierte sich Hindemith auf Orchesterkompositionen. Seine Oper „Mathis der Maler“ von 1935 gilt als eines seiner bedeutendsten Werke. Die Musik aus der Oper verwendete er später in einer gleichnamigen Symphonie, die ebenfalls große Anerkennung fand. Oft schrieb er sogenannte Gebrauchsmusik, die politische und soziale Ereignisse reflektierte, wie etwa die „Trauermusik“ von 1936.
Konflikte mit der NS-Regierung

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Hindemiths Musik als „entartet“ bezeichnet. In einer Rede 1934 nannte Propagandaminister Joseph Goebbels Hindemith einen „atonalen Geräuschemacher“. Die Uraufführung von „Mathis der Maler“, geplant von Wilhelm Furtwängler, wurde 1934 offiziell untersagt. Nach öffentlicher Kritik nahm Hindemith ein Angebot aus der Türkei an, wo er in Ankara eine Musikschule gründete und ein Reformprogramm für die türkische Musikausbildung entwickelte.
Emigration und Erfolg in den USA

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Türkei kehrte Hindemith nach Deutschland zurück, musste jedoch 1936 aufgrund eines Aufführungsverbots seiner Werke ins Exil. Über die Schweiz emigrierte er 1940 in die USA. Dort wurde er Professor an der Yale University und Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. 1943 veröffentlichte er die „Symphonischen Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber“, die zu einem seiner bekanntesten Werke wurden.
Späte Jahre und Vermächtnis

Nach dem Krieg kehrte Hindemith nach Europa zurück und ließ sich in Zürich nieder, wo er an der Universität unterrichtete und als Dirigent auftrat. Seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Howland Memorial Prize (1940), der Bach-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg (1951) und der Balzan-Preis (1963). Hindemith starb 1963 in Frankfurt am Main. Sein Andenken wird durch Ehrendoktorwürden, Auszeichnungen und die Benennung eines Asteroiden bewahrt.





