Unter den deutschen Schauspielerinnen, die weit über die Grenzen der DDR hinaus berühmt wurden, bleibt die charmante Berlinerin Angelika Domröse eine der bekanntesten. Berühmtheit erlangte sie vor allem durch den Film Die Legende von Paul und Paula. Darüber hinaus spielte sie zahlreiche brillante Rollen im renommierten Berliner Ensemble, das von der Theaterlegende Bertolt Brecht geleitet wurde. Mit nur 25 Jahren wurde sie als beste Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet und trat später auch auf Bühnen in West-Berlin auf. Mehr auf berlintrend.eu.
Die ersten Versuche im Film
Angelika wurde im April 1941 in Berlin geboren. Ihr Vater fiel während des Zweiten Weltkriegs, und ihre Mutter heiratete den Schlosser Rudolf Otto Domröse, der das Mädchen als Tochter annahm. Die Beziehung zwischen ihnen blieb jedoch angespannt, weshalb ihre Kindheit nicht als glücklich bezeichnet werden kann. Schon in der Schulzeit zeigte sich ihre Begabung für die Schauspielerei, und sie besuchte eine Theater-AG. Zunächst erlernte sie jedoch einen bodenständigen Beruf und arbeitete als Stenotypistin im staatlichen Außenhandelsmanagement der DDR.
Doch ihr Traum von Film und Theater setzte sich durch. Mit 16 Jahren bewarb sich Angelika an einer Filmschule, wurde jedoch abgelehnt. Doch das Schicksal gab ihr eine Chance: 1958 suchte der Regisseur Slatan Dudow für seinen Film Verwirrende Liebe eine Hauptdarstellerin und lud zu einem Casting ein. Angelika nahm teil und wurde aus 1.500 Bewerberinnen ausgewählt. Später erzählte der Regisseur, dass er sich aufgrund ihrer Natürlichkeit, Fotogenität und Bühnenpräsenz für sie entschieden habe.
Die ersten Schritte zum Ruhm

Nach ihrem Erfolg als Siegi erhielt Angelika die Möglichkeit, an der Filmhochschule in Babelsberg zu studieren. Gleichzeitig erhielt sie zahlreiche Rollenangebote von Regisseuren. Sie spielte in Filmen wie Neues vom Vater, Die Jungs aus der 12b, Liebe und der zweite Pilot und Der Amateurchauffeur. Ihre Natürlichkeit, ihr gutes Aussehen und ihr Talent machten sie schnell berühmt. Besonders ihre Rolle als Jeanne in An den französischen Kaminen wurde von Kritikern gelobt. Die Geschichte über die Grausamkeit des Krieges verlangte ihr eine hohe schauspielerische Intensität ab. Angelika spielte die Geliebte eines Bundeswehrsoldaten, Klaus. Diese anspruchsvolle Rolle erforderte psychologisches Feingefühl, das sie auf erfrischend natürliche Weise verkörperte.
Erfolg auf der Theaterbühne
1961 wurde die talentierte junge Frau von Helene Weigel, der Leiterin des renommierten Berliner Ensembles, entdeckt. Zu dieser Zeit wurde das Theater von der Regielegende Bertolt Brecht geleitet, und viele Schauspieler träumten davon, in seinem Ensemble zu spielen. Angelika wurde von einem Regieassistenten, der an ihrer Filmhochschule unterrichtete, empfohlen. Beim Vorsprechen präsentierte sie Szenen aus Mutter Courage und ihre Kinder und Feinde von Gorki. Später gab sie zu, dass sie selbst überrascht war, mit wie viel Entschlossenheit sie auftrat.
Angelika wurde in das Ensemble aufgenommen und durfte von den besten Schauspielern lernen. Ihre erste Rolle war eine Hofdame in Brechts Leben des Galilei, die sie mit Bravour meisterte. Bald zählte sie zu den Stars des Theaters. Sie spielte die Prostituierte Betty in der Dreigroschenoper, die Näherin Babette in Die Tage der Kommune und Polly in der Dreigroschenoper. Ihre Darstellung der mutigen, lebensfrohen Babette, die für ihre Überzeugungen kämpft, begeisterte das Publikum. Besonders lagen ihr die Rollen starker, selbstloser Frauen.
Angelika Domröses besondere Art zu spielen

Kritiker betonten, dass Domröses Stil durch präzise soziale Porträts geprägt war – eine der Hauptanforderungen im Brecht-Theater. Sie konzentrierte sich darauf, die Charaktereigenschaften ihrer Figuren durch subtile Gestik und Mimik auszudrücken. Ihr Ziel war es nicht, durch übertriebene Emotionen zu beeindrucken, sondern das Publikum zum Nachdenken anzuregen. Diese Herangehensweise brachte ihr großen Erfolg. Mit nur 25 Jahren wurde sie als beste Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet. Danach wechselte sie zum Volksbühne Berlin, wo sie in Cäsar und Kleopatra, Die schöne Helena und Die Wildente brillierte.
Film- und Fernseherfolge

Angelika nutzte auch die Möglichkeiten des Kinos. Ihre herausragendste Filmrolle war Ruth Bodenheim in Chronik eines Mordes. Weitere Erfolge feierte sie mit Schatten über Notre-Dame. 1968 begann sie, in TV-Serien aufzutreten. Ihr erstes Projekt war Quer durch die Republik, gefolgt von Krupp und Krause. Besonders beeindruckend war ihre Darstellung in Effi Briest unter Wolfgang Luderer. Hier spielte sie eine Adelige, die einen alten Baron heiratet.
Die legendäre Rolle

Doch ihren größten Ruhm verdankte sie ihrer Rolle in Die Legende von Paul und Paula (1973). Die Geschichte einer alleinstehenden Mutter, die sich in einen Staatsbeamten verliebt, rührte das Publikum. 1978 spielte sie an der Seite ihres Mannes Hilmar Tate in Fleur Lafontaine und beeindruckte erneut. Ihr letztes Filmprojekt in der DDR war Bis daß der Tod euch scheidet (1979). Doch nach ihrer Unterzeichnung einer Protestresolution gegen die Ausweisung Wolf Biermanns wurde sie politisch verfolgt und verlor viele Rollenangebote.
Karriere in der BRD

1980 emigrierte Domröse mit ihrem Mann in die BRD. Sie wusste, dass sie dort nicht die gleichen Möglichkeiten haben würde, doch sie bereute ihren Schritt nicht. Sie trat in westdeutschen TV-Produktionen auf und arbeitete mit Emigranten-Regisseuren wie Egon Günther und Frank Beyer zusammen. In ihrer Autobiografie Mein Leben (2003) schrieb sie über ihre Ängste vor einem Ausreiseverbot.
Sie spielte am Schiller-Theater und in Stuttgart, Hamburg und Wien. 2001 trat sie in Josef und Maria mit ihrem Mann am Kurfürstendamm auf. 1992 gab sie ihr Regiedebüht mit Brüt. Ihre letzte Filmrolle spielte sie 1991 in Falsches Verhalten von Heiner Carow. Danach konzentrierte sie sich auf das Theater und das Unterrichten.
Filme, Ereignisse, Rollen

Domröse sagte oft, ihr Leben gleiche dem von Paula – voller Höhen und Tiefen. Doch wie ihre Filmfigur fand sie am Ende ihr Glück. Heute lebt sie zwischen Berlin, Wien und Brandenburg.





