Erste Kinovorführungen und die weitere Entwicklung des Kinos in Berlin

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Film zu einem wichtigen Bestandteil des kulturellen Lebens in Deutschland, insbesondere in der Hauptstadt. Forscher unterscheiden mehrere Epochen: von den ersten Kinos im Kaiserreich und in der Weimarer Republik bis zum geteilten Berlin und dem wiedervereinten Deutschland. Jede Phase hatte ihre eigenen Inhalte und Konzepte, die sich im Laufe der Jahrzehnte veränderten. Auch die Rolle des Films wandelte sich: von einer informativen zu einer unterhaltenden und propagandistischen Funktion. Doch der für Historiker interessanteste Zeitraum war die Geburtsstunde des Kinos, als die Berliner zum ersten Mal diese magische Welt des „Cinema“ entdeckten. Mehr dazu auf berlintrend.eu.

Deutsche Erfinder

Foto: Brüder Skladanowsky

Zu den Pionieren des deutschen Films zählen Forscher die Ingenieure Oskar Eduard Messter sowie die Brüder Max und Emil Skladanowsky. Herr Messter entwickelte eine originelle Lösung für die intermittierende Projektion und stellte zusammen mit den Brüdern Skladanowsky die außergewöhnliche Apparatur „Bioskop“ vor. Dabei handelte es sich um einen Projektor mit zwei Objektiven und zwei Filmstreifen, die zu einer Schleife zusammengefügt und mit einer Frequenz von 8–10 Bildern pro Sekunde gezeigt wurden. Dieses Gerät konnte nur sehr kurze Clips vorführen und hielt daher dem Wettbewerb mit dem Kinematographen nicht lange stand. Das Bioskop blieb eine technische Attraktion, doch die ersten Kinovorführungen begeisterten die Zuschauer.

Die erste Kinovorführung in Berlin fand am 1. November 1895 im Wintergartenpalast statt. Den Berlinern wurden Szenen eines boxenden Kängurus, tanzender Kinder und Jongleure gezeigt, begleitet von passender Musik. Die gesamte Präsentation dauerte etwa 15 Minuten. Interessierte Berliner und Stadtbesucher kamen auch in den folgenden Tagen zu den Vorführungen, die als die interessanteste Erfindung der Zeit beworben wurden. Die Film-Pioniere nahmen verschiedene Szenen auf: den Alarm der Berliner Feuerwehr, die Einfahrt eines Zuges in den Bahnhof, Ausschnitte aus Opern und Operetten sowie Alltagsszenen auf den Straßen der Hauptstadt.

Die Popularität des Kinos

Foto: Kino „Metropol“ in Berlin, 1912

Die erste Plattform für Filmvorführungen entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Stadtteil Spandauer Vorstadt (heutiges Berlin-Mitte). Dabei wurde das Theater „Anomalien und Biographien“ von Otto Pritzkov in der Münzstraße genutzt. Zu dieser Zeit eröffnete Oskar Eduard Messter sein eigenes Filmstudio in der Friedrichstraße in Berlin, wo er kurze Dokumentar- und Spielfilme drehte. Solche Produktionen waren sehr gefragt, und nach seiner Firma „Messter Film“ entstanden auch andere, wie „Deutsche Bioskop“ im Jahr 1897 und „Münchener Kunstfilm“ im Jahr 1907. Doch Messter behauptete seine Führungsposition, indem er Filme von „Edison“ oder „Pathé“ kaufte, eigene Geschichten produzierte und ein Verteilungsnetzwerk in den Kinos der Stadt aufbaute.

Die Beliebtheit des Kinos veranlasste die Stadtverwaltung, Kinos in Arbeitervierteln einzurichten, wo es die meisten Filmfans gab. Während es 1905 noch 14 Kinos gab, waren es 1907 bereits 139. Im Jahr 1906 begannen auch die Besitzer von Bierstuben und Cafés, Ausrüstung für Filmvorführungen zu installieren, um Besucher anzulocken. Solche Lokale nannten die Berliner „Kintopps“. Auch die Anzahl der Filmproduktionsfirmen in Berlin stieg an; 1919 waren es bereits 245. Messter konnte dennoch seine Führungsposition behaupten, als er den Zuschauern Tonfilme anbot. Die Popularität des Kinos veranlasste die Stadtverwaltung, über eine Besteuerung dieser Unterhaltung nachzudenken. Zudem sorgte die Berliner Presse für zusätzliche Werbung. 1912 betonten Journalisten regelmäßig, dass Kino ein lebensnotwendiges Bedürfnis eines jeden Berliners sei.

Was sahen die Berliner?

Foto: Deutsche Schauspielerin Henny Porten

Die meisten Filme stammten von Franzosen und Dänen, obwohl auch deutsche Produktionen gefragt waren. Insbesondere Abenteuerfilme wurden von den Zuschauern geliebt. Der erste Film über den englischen Detektiv Stuart Webb erschien 1913. Die ausverkauften Kinosäle zwangen die Regisseure, schnell neue Geschichten zu erfinden. So entstanden im deutschen Kino die ersten Stars: Henny Porten, Harry Piel und Asta Nielsen. Auch bekannte deutsche Dramatiker beteiligten sich an der Filmproduktion.

Große Diskussionen löste der Film „Der Student von Prag“ aus dem Jahr 1913 aus, der nach einem Drehbuch des berühmten Schriftstellers Hanns Heinz Ewers gedreht wurde. Der Historiker des deutschen Kinos Siegfried Kracauer bemerkte, dass dieser Film erstmals in Deutschland ein Thema auf die Leinwand brachte, das zur Obsession des deutschen Kinos wurde. Interessanterweise betrachteten die adligen Kreise, trotz der großen Liebe der Berliner aus armen und mittleren Schichten zum Kino, diese Kunstform als minderwertige Unterhaltung. Der deutsche Schriftsteller Walter Serner sah sich 1913 sogar gezwungen, in einem Artikel das Recht des Kinos zu verteidigen, als eigenständige Kunstform anerkannt zu werden.

Kino als Propagandamittel

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs begannen deutsche Filmproduzenten, patriotische Inhalte zu drehen. Einer der Begründer des deutschen Films, der Berliner Oskar Messter, veröffentlichte die chronikalische Dokumentarzeitschrift „Messter-Wochenschau“ und bereitete gemeinsam mit dem Besitzer des Studios „Sascha-Messter“ Berichte von der Front vor. Er war überzeugt, dass Filme eine Rolle als politische Werbung spielten, die während der Kriegshandlungen unverzichtbar war. Während des Krieges sahen die Deutschen viele solcher Inhalte, sodass sie nach dem Ersten Weltkrieg nur noch friedliche Themen wünschten. So kehrten Detektivgeschichten, urbane Romanzen und Liebesfilme in die Berliner Kinos zurück.

In der Weimarer Republik wurde dem Kino eine sehr wichtige Rolle zugeschrieben. Es wurden Mittel für den Bau großer Kinos bereitgestellt, die eine große Anzahl von Zuschauern aufnehmen konnten. Der Ufa-Palast hatte nach der Renovierung im Jahr 1925 über 2000 Plätze, der Kreuzberger Phoebus-Palast fast 1400. Für die Planung und den Bau wurden herausragende Architekten eingeladen, da es nicht nur um die Funktionalität der Gebäude, sondern auch um deren repräsentatives Erscheinungsbild ging. Wie sich zeigte, zahlte sich die Regierungsstrategie, das Kino zur Bewusstseinsbildung zu nutzen, voll aus. Dies wurde besonders in der Mitte der 1930er Jahre deutlich, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen.

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