Friedrichstadt-Palast: Der lange Weg vom unrentablen Basar zum „Großen Theater“

Der Friedrichstadt-Palast hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich. Seine Ursprünge liegen in einem Basar, später wurde er ein Zirkus, bevor schließlich erste Theateraufführungen stattfanden. Vom ursprünglichen Gebäude ist nichts erhalten geblieben, doch der neue Friedrichstadt-Palast steht heute unter Denkmalschutz und ist weltweit bekannt für seine spektakulären Revuen. Mehr über die Geschichte des Theaters erfahren Sie auf berlintrend.eu.

Ein Zirkus mit 5000 Plätzen

Alles begann 1865 mit einem ersten Berliner Markt, der jedoch nach nur sieben Monaten wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit wieder schließen musste. Anschließend diente das Gebäude als Lebensmittellager und später als Versorgungsarsenal für das preußische Militär während des Krieges von 1870–1871.

1873 eröffnete der Zirkusdirektor Albert Salamonsky einen Zirkus mit etwa 5000 Zuschauerplätzen. Doch mit Beginn des Ersten Weltkriegs ging der Zirkus bankrott, und am 31. März 1918 fand die letzte Vorstellung statt.

1919 übernahm Max Reinhardt das Gebäude und ließ es gemeinsam mit dem Architekten Hans Poelzig, einem der führenden Architekten der Moderne, umbauen. Der Innenraum erinnerte die Berliner an eine „Stalaktitenhöhle“, aufgrund der von der Decke hängenden Kegel.

Das Große Theater

Am 29. November 1919 eröffnete Max Reinhardt das umgebaute Gebäude als „Großes Theater“, das schnell mit seinen Inszenierungen unter seiner Leitung Erfolge feierte.

Während der NS-Zeit wurde das Große Theater in „Volkstheater“ umbenannt und erhielt den Beinamen „Palast der 5000“, obwohl es nur etwas mehr als 3000 Sitzplätze hatte. Unter der Leitung von Rudolf Zindler wurde ein „Führerloge“ hinzugefügt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude durch Bombenangriffe stark beschädigt, aber bis August 1945 teilweise wieder instand gesetzt. Es erhielt den Namen „Palast Varieté“ oder „Haus der 3000“ und wurde für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Der neue Friedrichstadt-Palast

1980 wurde das alte Gebäude aufgrund maroder Fundamentpfeiler endgültig geschlossen. 1984 wurde der neue Friedrichstadt-Palast mit einer Fläche von 7700 Quadratmetern eröffnet. Das Design stammt von einem Team um Manfred Prasser, und das Gebäude befindet sich im historischen Stadtteil Spandauer Vorstadt. Der alte Friedrichstadt-Palast wurde 1985 abgerissen, nachdem er noch kurzzeitig für Proben genutzt wurde.

Anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls fand 2009 eine Feier im neuen Friedrichstadt-Palast statt, organisiert von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Geehrt wurden dabei Persönlichkeiten wie Helmut Kohl und Michail Gorbatschow. Auch Angela Merkel und Norbert Lammert waren anwesend.

Der Friedrichstadt-Palast ist auch für seine Kinder- und Jugendtruppe bekannt, die seit 1945 besteht. Etwa 250 Kinder und Jugendliche aus mehr als 20 Ländern erhalten hier eine Bühnenausbildung.

2014 stellte der Friedrichstadt-Palast einen Guinness-Weltrekord auf, als er die längste Reihe Berliner Pfannkuchen mit 6778 Stück präsentierte, um das 30-jährige Jubiläum des neuen Gebäudes zu feiern.

2019 feierte der Friedrichstadt-Palast sein 100-jähriges Bestehen. Zu Ehren von Max Reinhardt, der den Zirkus in ein Theater verwandelte, wurde vor dem Gebäude die Davidstern-Flagge gehisst. Reinhardt, der wegen seiner jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt wurde, starb 1943 im Exil.

2020 erhielt der Friedrichstadt-Palast den Status eines Kulturdenkmals.

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