Das monumentale Lessingtheater – gebaut im Stil der Neorenaissance

Das Kapelle-Ufer in Mitte, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Friedrich-Karl-Ufer hieß, beherbergte ab 1888 das monumentale Gebäude des Berliner Lessingtheaters. Seine Eröffnung begann – wie könnte es anders sein – mit dem Werk des bekannten Dichters der Aufklärung, Gotthold Ephraim Lessing, „Nathan der Weise“.

Bis Ende der 1920er-Jahre zählte das Theater zu den wichtigsten Bühnen Berlins. Hier fanden Uraufführungen von Werken von Gerhart Hauptmann, Carl Zuckmayer und Franz Werfel statt, ebenso wie von Dramen von Henrik Ibsen und August Strindberg. Das im Stil der Neorenaissance errichtete Lessingtheater wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Mehr über seine Geschichte erfahren Sie auf berlintrend.eu.

Ein Theater anstelle eines Zirkus

Das Gebäude des Theaters wurde an der Stelle des ehemaligen Zirkus Krembzers im Stil der Neorenaissance errichtet. Bauherr war der Theaterdirektor Oskar Blumenthal, die Architekten waren Hermann von der Hude und Julius Hennicke. Die feierliche Eröffnung fand am 11. September 1888 statt.

Die neue, rund 900.000 Mark teure Theaterkonstruktion erregte damals großes Aufsehen, da sie das erste bedeutende neue Theatergebäude in Berlin seit dem Walhner-Theater von 1864 war. Die letzten 24 Jahre waren ausschließlich Umbauten bestehender Theater und Säle vorgenommen worden.

Das kurvige, schlecht geschnittene Grundstück nahe des Viadukts der Stadtbahn und der Brandmauern der Nachbarhäuser stellte die Architekten vor eine schwierige Aufgabe. Gebäude dieser Bedeutung und Größe erforderten ein imposantes Erscheinungsbild, das auch aus der Ferne sichtbar sein sollte.

Ein erfolgreicher Standort

Letztendlich verbarg die Kuppel des Bühnenhauses die Brandmauern der Nachbargebäude. Die Hauptfassade mit einem Portikus verband geschickt zwei Straßenkreuzungen zu einem „Vorhof“ und schuf somit eine ansprechende Architektur. Die restlichen dreieckigen Straßenzüge wurden durch Gitter und Tore abgegrenzt und als Gärten gestaltet. Der verbleibende Raum hinter dem Theater wurde als Wirtschaftshof genutzt.

Aus wirtschaftlicher Sicht war der Standort hervorragend gewählt. Der nahe gelegene Reichstag und die Berliner Pferdebahn sorgten für eine gute Anbindung und eine erwartete Aufwertung des Viertels.

Die Zuschauer betraten das Theater durch drei Eingangstüren. In den zweiten Rang gelangten sie entweder über Eingänge nahe der Kasse oder durch Treppenaufgänge entlang der langen Wand gegenüber dem Haupteingang.

Nach der Vorstellung verließen die Besucher das Theater durch zwei separate Türen entlang der langen Seite des Gebäudes oder durch das Vestibül. Für die Zuschauer der ersten und zweiten Ränge gab es spezielle Ausgänge in den entsprechenden Treppenhäusern, wodurch eine schnelle Räumung des Gebäudes ermöglicht wurde. Diese Trennung der Besucherströme war auch wirtschaftlich sinnvoll, da ein schneller Wechsel zwischen zwei Aufführungen möglich war.

Typische Bauweise des Historismus

Alle Treppen, Eingänge und Ausgänge wurden so gestaltet, dass eine schnelle Evakuierung im Notfall gewährleistet war, wie es die damals neuen polizeilichen Vorschriften forderten.

Auf Wunsch des ersten Direktors, Ernst von Possart, wurden die Grundform und die Maße des Zuschauerraums dem Schinkel-Theater am Gendarmenmarkt nachempfunden, um eine gute Akustik zu gewährleisten.

Das Lessingtheater war ein verputztes Gebäude, nur die skulpturalen Verzierungen der Außenfassade bestanden aus Sandstein. Die Architekten von der Hude und Hennicke verwendeten für die Gestaltung der Fassade Formen des Neorenaissance-Stils. Der Innenraum hingegen war dynamischer gestaltet, mit Elementen der Spätrenaissance und Neorokoko für den Zuschauerraum – ein typisches Beispiel des Historismus. In den Seitenflügeln befanden sich auf zwei Etagen die Garderoben der Schauspieler, während im Kellergeschoss Garderoben für Chor und Statisten untergebracht waren.

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