Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als Berlin in Sektoren aufgeteilt wurde, errichtete die französische Militärregierung das Kulturzentrum „Maison de France“. Dies geschah zwischen 1948 und 1950 im britischen Sektor. Tatsächlich handelte es sich jedoch nicht um einen Neubau, sondern um eines der ersten restaurierten Gebäude am Kurfürstendamm nach dem Krieg. Mehr über die Entstehung dieses bekannten Berliner Kinos erfahren Sie auf berlintrend.eu.
Ein Haus für Rentiers

Das Gebäude wurde 1897 errichtet. Ein gewisser Herr Klopsch ließ ein Mietshaus für Rentiers bauen. Im Laufe der Zeit erfuhr das Gebäude mehrere Restaurierungen und Umbauten. So wurde es 1925 nach einem Entwurf von Paul Ackermann zu einem Geschäftshaus umgebaut.
1926 wurde die historische Fassade von Stuck befreit und im Stil der Neuen Sachlichkeit umgestaltet. Die Straßenfassade erhielt ein architektonisches Erscheinungsbild der 1920er-Jahre: strenge horizontale Streifen, Parapetbänder und versetzte Fenster. Die unteren Stockwerke wurden für Geschäfte umgebaut, wobei das Erdgeschoss zu einem durchgehenden Verkaufsraum wurde. Eine Besonderheit des fünfstöckigen Eckgebäudes mit Satteldach sind die abgerundeten Übergänge zwischen den drei Straßenfassaden. Das Gebäude wurde seitdem „Haus Scharlachberg“ genannt.
Nachkriegsrestaurierung

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude durch Brandbomben stark beschädigt. Es blieben nur das Erdgeschoss, Teile der oberen Stockwerke und die Umfassungsmauern übrig. 1945 wurde im Erdgeschoss ein Kabarett namens „Roxy“ eröffnet, und 1947 entstand im anderen Flügel ein gleichnamiges Hotel.
1947 entschied sich die französische Militärregierung, hier ein französisches Kulturzentrum zu errichten. Mit Unterstützung der britischen Militärregierung wurde ein geeigneter Standort gefunden. Am 7. Mai 1947 wurde das Gebäude von der britischen Militärverwaltung beschlagnahmt und am 5. November an die Franzosen übergeben. Der Umbau begann 1948, doch Architekt Hans Semrau musste sein Projekt aufgrund der Berliner Blockade und des damit verbundenen Materialmangels reduzieren. 1950 wurde das Gebäude fertiggestellt, und am 21. April eröffnete der französische Stadtkommandant General Ganeval gemeinsam mit dem französischen Hochkommissar François-Poncet und Berlins Bürgermeister Ernst Reuter das „Maison de France“ als Ort des deutsch-französischen Austauschs.
Kino „Cinema Paris“ mit 435 Plätzen

Das Gebäude „Maison de France“ zählt zu den frühesten Restaurierungen in Berlin und verkörpert die schlichte und wirtschaftliche Architektur der frühen Nachkriegsjahre. Die Designsprache des Innen- und Außendekors spiegelt die Zeit wider: schlicht, mit eleganten Rundungen, indirektem Licht, Klarheit und Feierlichkeit.
Obwohl während der Restaurierung alte Materialien wiederverwendet wurden, erreichten die Bau- und Innendetails ein hohes Niveau. Der französische Kulturzentrum diente als Begegnungsstätte zur Förderung der freundschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland.
Hier befand sich das Kino „Cinema Paris“ mit 435 Plätzen. Darüber hinaus gab es eine Bühne, eine Bibliothek mit Lesesaal, Ausstellungs- und Schulungsräume. Das „Maison de France“ verfügte außerdem über ein Restaurant mit Bar und Tanzcafé, eine Konditorei, ein Geschäft mit moderner Küchenausstattung und ein Reisebüro. Im Gebäude war auch das französische Generalkonsulat untergebracht. Das Eckhaus dient weiterhin als deutsch-französisches Begegnungs- und Kulturzentrum.





