Politisch engagierte Bands führen unter einer Diktatur ein gefährliches Leben. Die aus der DDR stammende Band Silly wusste das nur zu gut. Ihre Geschichte, geprägt von Zensur und dem Versuch, deutschen Rock zu schaffen, ist längst legendär. Die charismatische Frontfrau Tamara Danz spielte dabei eine zentrale Rolle. Mehr über die Band erfahren Sie auf berlintrend.eu.
Gründung unter den Bedingungen der Diktatur

Silly wurde 1978 gegründet und stieß aufgrund ihres englischen Namens sofort auf Schwierigkeiten. Erst als Silly Family erhielten die Musiker die Genehmigung der Behörden, aufzutreten. Die Ursprungsformation bestand aus Thomas Fritzsching (Gesang, Gitarre), Matthias Schramm (Bass), Ulrich Mann, Manfred Kusno (Keyboard), Mike Schäfmeier (Schlagzeug) und Tamara Danz (Gesang). Bereits 1981 erschien ihr Debütalbum „Tanzt keiner Boogie?“, das in der DDR sofort populär wurde. Dieser Erfolg ermöglichte der Band auch Auftritte im Ausland.
1981 gewann die Band in Rumänien den Grand Prix des Festivals „Bratislavská Lýra“. Vor der Veröffentlichung des zweiten Albums „Mont Klamott“ kam es zu ersten Besetzungswechseln. Werner Karma trat als Texter der Band bei und prägte die zukünftige künstlerische Ausrichtung maßgeblich. Kusno und Mann verließen die Band, Rüdiger Barton übernahm die Position des Keyboarders. Ab 1984 spielte Herbert Junck als Schlagzeuger bei Silly.
Verbotenes Album

Trotz ständiger Wechsel in der Besetzung zeigte Silly über die Jahre hinweg eine konstant hohe Qualität und galt längst nicht mehr nur als Geheimtipp im Westen. Eine konstante Herausforderung war die staatliche Zensur in der DDR. Das 1984 erschienene Album „Zwischen unbenutzten Gleisen“ wurde verboten.
Die von den Behörden überarbeiteten Songs erschienen später unter dem Titel „Liebeswalzer“.
Das letzte Album von Silly in der DDR, „Februar“ (1989), wird als Abschiedslied von der Diktatur und musikalische Brücke zwischen den beiden wiedervereinigten deutschen Staaten angesehen. Wie bei den Bands Puhdys und Karat war es Silly möglich, ihre Karriere nach der Wende nahezu nahtlos fortzusetzen.
Internationale Erfolge und Wandel

Silly feierte Erfolge auf internationalen Tourneen, unter anderem in den USA. In der neuen Bundesrepublik erweiterte die Band ihr künstlerisches Repertoire. Mit der Eröffnung des Danzmusik Studio hatten die Musiker die Möglichkeit, ihre Musik vollständig selbst zu produzieren. Joachim Witt coverte mit Erfolg den Song „Bataillon d’Amour“.
Neue Frontfrau, neue Ära
Am 22. Juli 1996 starb Tamara Danz im Alter von nur 43 Jahren an Brustkrebs. Nach zahlreichen weiteren Besetzungswechseln markierte ihr Tod das Ende der ersten Ära von Silly – und den Beginn einer neuen. 2006/2007 startete die Band eine elektro-akustische Tour mit der Sängerin Anna Loos, die die vakante Position von Danz übernahm.
2008 erschien das Album „Der Mond und andere Liebhaber“, gefolgt von dem ersten Studioalbum seit Tamara Danz: „Alles Rot“ (2010), das von Fans und Kritikern gleichermaßen positiv aufgenommen wurde. Die neuen Silly erweiterten ihren künstlerischen Horizont durch zahlreiche Nebenprojekte, wie den Soundtrack für den Film „Der Mond und andere Liebhaber“ (2008) und einen Gastauftritt in der Krimiserie „SOKO Leipzig“.Trotz der Verbindung zu den Anfängen der Bandgeschichte gelingt es den Musikern, sich neu zu positionieren und unabhängig zu bleiben. Insbesondere Anna Loos verleiht Silly einen einzigartigen Charme, der sie auf eine Ebene mit der Bandgründerin Tamara Danz hebt.





