Das Konzerthaus Berlin ist eines der bekanntesten Theater Deutschlands. Einst als Königliches Nationaltheater bekannt, blickt es auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Das spätklassizistische Gebäude wurde im 19. Jahrhundert nach einem Entwurf des berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel errichtet. Heute prägt es als zentrales Bauwerk den Gendarmenmarkt – mitten im Herzen der Hauptstadt. Das Konzerthaus bietet ein vielfältiges Programm: Sinfoniekonzerte, Kammermusik, Musiktheater, Kinderkonzerte, nationale Festivals und Hommagen an große Musiker. Die Entwicklung des Hauses gleicht einem eigenen Roman. Lesen Sie mehr auf berlintrend.eu.
Wie die Idee eines neuen Theaters entstand

Bereits 1770 hatte Friedrich der Große den Wunsch, ein außergewöhnliches Haus für die französische Komödie zu gründen. Dafür ließ er den Gendarmenmarkt neu planen und die Reitställe des Kavallerieregiments „Gens d’armes“ versetzen. Ab 1776 nahm das Französische Komödienhaus seinen Spielbetrieb auf, hatte jedoch zunächst wenig Erfolg. 1786 übergab Friedrich Wilhelm II. die Leitung an den Regisseur Karl Theophil Döbbelin, der zuvor am Theater in der Behrenstraße tätig war. Seine Truppe wurde zur „königlich-preußisch privilegierten Nationalbühne“ ernannt.
Dies weckte das Interesse der Berliner. Ein Jahr später wurde eine Direktion gegründet, zu der unter anderem Johann Jakob Engel und Karl Wilhelm Ramler gehörten. Das Theater erhielt den Namen Königliches Nationaltheater. Neuer Direktor wurde August Wilhelm Iffland, der sich große Verdienste um die Popularität des Hauses erwarb. Für die wachsende Zuschauerschaft ließ der König ein neues Gebäude errichten – entworfen von Carl Gotthard Langhans, dem Architekten des Brandenburger Tors. Das neue Theater – wegen seines auffälligen Dachs scherzhaft „der Koffer“ genannt – verfügte über einen großen Saal, eine gewölbte Konzertbühne und ein Atelier für Bühnenmalerei. Nach nur 15 Jahren zerstörte ein Brand das Haus.
Schinkels Neubau
Im Jahr 1817 beauftragte der König den renommierten Architekten Karl Friedrich Schinkel mit einem Neubau. Bereits nach sechs Monaten legte Schinkel seine detaillierten Pläne vor – inklusive Bühne, Zuschauerraum, Werkstätten, Garderoben, Probenräumen, Restaurant und Küche. Auch an den Brandschutz dachte er: mit Wassertanks, Pumpanlagen und sicheren Kaminen. Die Grundsteinlegung erfolgte im Juli 1818. Für die Gestaltung der Fassade ließ sich Schinkel vom Monument des Thrasyllos in Athen inspirieren – ein Bauwerk aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., das die Erfolge eines Musikers ehrte. Zahlreiche Skulpturen schmückten das Gebäude: Tantalos, Psyche, Orpheus, Eurydike, Dionysos, Ariadne.

Die feierliche Eröffnung fand im Mai 1821 statt – mit der Goethe-Dichtung „Iphigenie auf Tauris“, bei der der König persönlich anwesend war. Das Haus wurde als Sprechtheater genutzt, diente aber auch für Konzerte und Opernaufführungen. Viele große Ereignisse sind mit dem Theater verbunden: 1789 reiste Mozart für eine Aufführung seiner Oper „Die Entführung aus dem Serail“ an. 1826 erklang erstmals Beethovens Neunte Sinfonie in Berlin. 1829 feierten die Berliner Paganini, 1842 Mendelssohn. Im Januar 1844 dirigierte Richard Wagner höchstpersönlich seinen „Fliegenden Holländer“.
Glanzzeit im 19. Jahrhundert
Im Repertoire des Jahres 1848 standen über 30 Stücke – von heiteren Komödien bis zu Vaudevilles: etwa „Der Weg durchs Fenster“ von Charlotte Birch-Pfeiffer, „Der Buchhalter und seine Töchter“ von August von Kotzebue oder „Ein Heiratsprojekt“ von Eugène Scribe. Shakespeare wurde oft gespielt – „Hamlet“ und „Die Räuber“ waren besonders beliebt. Berlin entwickelte sich mehr und mehr zur Theaterhauptstadt, was durch den 1811 gegründeten Verband der Königlichen Theater zusätzlich gefördert wurde.

Zeiten der Weimarer Republik
Nach Gründung des Freistaats Preußen 1918 wurde das Königliche Theater zum Preußischen Staatstheater. 1923 kam das Schiller-Theater als zweite Spielstätte hinzu. Neuer Intendant wurde der Reformator Leopold Jessner, der expressionistische Inszenierungen bevorzugte und damit das traditionelle Publikum verprellte. 1930 musste Jessner zurücktreten und verließ Deutschland. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten veränderte sich das Theaterwesen grundlegend.

Politischer Einfluss im Dritten Reich
Bereits 1932 übernahm Heinz Tietjen die Leitung – ein Anhänger der Nationalsozialisten. Er installierte Franz Ulbrich als Regisseur und Hans Johst als Chefdramaturgen. Kritische Künstler wurden verdrängt, die Qualität der Aufführungen sank. Der bekannte Schauspieler Gustaf Gründgens versuchte, das Ensemble zu retten. Er plädierte für eine Kunst ohne politische Einflüsse, passte das Repertoire jedoch gezielt an die Erwartungen des Regimes an: nur noch leichte, unpolitische Unterhaltung – ein Kompromiss zum Überleben.
Zerstörung und Wiederaufbau

Im November 1943 wurde das südliche Flügelgebäude mit dem Konzertsaal durch Bomben zerstört. Im September 1944 endete der Spielbetrieb. Während der Kämpfe um Berlin wurden die Mauern schwer beschädigt. 1950 benannte man den Gendarmenmarkt in Akademieplatz um – als Zentrum für Kunst und Wissenschaft. Die umfassende Rekonstruktion begann 1979, unter Leitung der Architekten Erhardt Gißke, Manfred Prasser und Klaus Just. Da es im Ostteil Berlins bereits mehrere Sprechtheater gab, entschied man sich, das Gebäude in einen Konzertsaal umzuwandeln – mit klassizistischem Interieur nach Schinkels Entwürfen.
Das Konzerthaus-Orchester
Die feierliche Wiedereröffnung fand im Oktober 1984 statt. Seitdem ist das Haus Heimstätte des Berliner Sinfonieorchesters – seit 2006: Konzerthausorchester Berlin. Hier gastieren international gefeierte Dirigenten und Klangkörper. Nach der Wiedervereinigung dirigierte Leonard Bernstein Beethovens Neunte mit einem internationalen Orchester. Das Konzerthausorchester selbst genießt weltweites Ansehen und ist regelmäßig auf Tournee.
Seit 2010 fördert die Kurt-Sanderling-Akademie junge Musikerinnen und Musiker. Zu den bekanntesten Chefdirigenten gehören Christoph Eschenbach, Iván Fischer und Kurt Sanderling. Mit Joana Mallwitz übernahm 2023 erstmals eine Frau die musikalische Leitung. Musikfreunde aus aller Welt reisen an, um im Konzerthaus Berlin Konzerte zu erleben. Zu Recht gilt es als eines der kulturellen Juwelen der Hauptstadt.





